In der aktuell laufenden sowie in der kommenden Woche kann ich mich – nach längerer Zeit endlich mal wieder – einer meiner Lieblingstätigkeiten widmen: Der Literaturrecherche. Wie ich auf den ScienceBlogs schon mal ausführlich berichtet hatte, verfolgen wir im Rahmen des an der Hochschule Harz angesiedelten ZIM-NEMO-Projekts TECLA unter anderem die Idee, ein integriertes digitales Dokumentationssystem für chronische Wunden zu entwickeln. Geplant ist vor allem die Integration einer für die Wunddokumentation geeigneten Miniaturkamera in einen sogenannten digitalen Stift, der durch den Pflegedienst auch für die schriftliche Wunddokumentation und die sonstige Pflegedokumentation genutzt werden kann. Mittels einer in den Stift integrierten Software soll dabei sichergestellt werden, dass die Wundfotos den Anforderungen im Hinblick etwa auf Abstand, Helligkeit oder Winkel bestmöglich entsprechen. Darüber hinaus ist die Entwicklung einer Bilddatenbank geplant, welche Medizinern auf einfachste Art und Weise Zugang zu den Wundfotos gestattet, ihnen die Ausstellung von Behandlungsanweisungen ermöglicht und ihnen Tools für die Wundanalyse an die Hand gibt.

Schematische Darstellung des von uns unter dem Arbeitstitel DigiWund geplanten Wunddokumentationssytems
Den Förderantrag für dieses spannende Projekt wollen wir in 14 Tagen gemeinsam mit unseren Projektpartnern finalisieren – und bis dahin habe ich die wirklich schöne und interessante Aufgabe, unseren derzeitigen Anforderungskatalog für das Kamerasystem sowie die Dokumentationssoftware nochmals gründlich zu analysieren und auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Literatur zum Thema zu evaluieren. Welche Schärfentiefe etwa muss eine Wundfotografie bieten? Macht es Sinn, Klassifikationssysteme für chronische Wunden wie PUSH (Pressure Ulcer Healing Score) oder PSST (Pressure Score Status Tool) in die Dokumentationssoftware zu integrieren? Welcher Abstand zwischen Kamera und Wunde ist – in Relation zur Größe der Wunde – optimal? Diese und viele weitere Fragen versuche ich derzeit auf Basis einer Literaturrecherche in GoogleScholar und PubMed zu beantworten, wobei ich in erster Näherung genau 35 (OpenAccess-) Publikationen – hauptsächlich medizinische Dissertationen – mit für uns relevanten Inhalten identifizieren konnte. Durch 12 dieser Publikationen habe ich mich bis heute schon durchgearbeitet – der Rest folgt dann am Wochenende und in der kommenden Woche. Als ganz besonders interessant haben sich dabei bislang diese beiden Arbeiten erwiesen:
Dirk Ulrich Lange (2008): Potenziale und Grenzen digitaler Wundfotografie in der Klinik und telematischen Nachsorge von Patienten mit Wunden. Dissertation. Ruhr-Universität Bochum, Bochum.
Anne Mirja Pietsch (2010): Multivariate Analyse: Einflussfaktoren auf die Heilungswahrscheinlichkeit von chronischen Wunden Eine retrospektive Studie. Dissertation. Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Tübingen.
Ich freue mich jedenfalls darauf, mich mal wieder zwei Wochen wirklich intensiv allein mit rein theoretischen Fragestellungen befassen zu können – eine Aufgabe, für die im Arbeitsalltag an Hochschule und Institut sonst eher wenig Zeit bleibt. Zum Einsatz kommt dabei übrigens Citavi – eine äußerst empfehlenswerte Datenbank für die Literatur- und Wissensorganisation, die ich für meine Arbeit schon seit Jahren verwende. Was – abgesehen natürlich von einem hoffentlich erfolgreichen Förderantrag – am Ende aus den Ergebnissen dieser Recherche wird, weiß ich allerdings noch nicht. Vielleicht lässt sich ja eine Blogserie daraus machen…
[Hinweis zum Bild: Das hier eingebundene Foto stammt aus dem - sehr empfehlenswerten - PflegeWiki und wurde unter der freien GNU-Dokumentationslizenz veröffentlicht.]





Diskussionen
Trackbacks/Pingbacks
Pingback: Kommende Woche: AAL-Qualifikation an der MH Hannover « HarzOptics GmbH - 12. Oktober 2012
Pingback: Unser Fotostandard für die Wunddokumentation « HarzOptics GmbH - 13. November 2012
Pingback: Neuerscheinung: Grundlagen der Wunddokumentation « HarzOptics GmbH - 11. Dezember 2012
Pingback: Grundlagen der Wunddokumentation: Erstes Kapitel – Frischer Wind - 28. Januar 2013