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Hochschule Harz, TECLA

Kurzbericht von der ersten Sitzung der neuen AG „Stadtentwicklung und Demografie“ in Wernigerode

Im Rahmen des an der Hochschule Harz angesiedelten ZIM-NEMO-Netzwerks TECLA (Technische Pflegeassistenzssysteme) beschäftigt uns unter anderem die Frage, wie denn angesichts des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels sowie der zunehmenden Technisierung sämtlicher Lebensbereiche die „Pflege der Zukunft“ aussehen könnte. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus der regionalen Wirtschaft sowie dem Institut für Pflegewissenschaften der Uni Halle arbeiten wir hierzu derzeit unter anderem an einem Konzept für ein Tablet-PC-System, welches Seniorinnen und Senioren bei alltäglichen Aufgaben wie etwa der Medikamentenbestellung unterstützen soll, sowie an der Integration einer für die medizinische Dokumentation chronischer Wunden geeigneten Miniatur-Kamera in einen handelsüblichen digitalen Stift.

Bevölkerungsentwicklung in Sachsen-Anhalt

Diese Grafik zeigt die bis 2030 erwartete, stark negative Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bzw. Sachsen-Anhalt (Quelle: "Wegweiser Kommune" der Bertelsmann-Stiftung).

 

Da der demografische Wandel ein wesentlicher Motivator all dieser Projekte ist, fühlten wir uns natürlich sofort angesprochen, als die Stadtverwaltung von Wernigerode kürzlich Experten wie auch interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu aufrief, sich an verschiedenen, neu ins Leben gerufenen Arbeitsgruppen zu beteiligen, in denen drängende Probleme wie etwa die Verkehrsentwicklung aber auch der demografische Wandel mit Vertretern der Verwaltung diskutiert und Lösungsansätze für das sich derzeit in der Konzeptionierung befindliche neue Stadtentwicklungskonzept erarbeitet werden sollen. Sehr gerne nahmen wir daher mit zwei Projektmitarbeitern – Uwe Witczak und meiner Wenigkeit – an der konstituierenden Sitzung der AG „Stadtentwicklung und Demografie“ teil, die künftig alle ein bis zwei Monate im Hauptsitz der Stadtverwaltung in der Schlachthofstraße tagen wird.

Aus dieser ersten Sitzung sollen nachfolgend einige aus unserer Sicht zentrale Eindrücke festgehalten werden. Die zur Illustration eingebundenen Grafiken stammen dabei aus dem – für alle am Thema Interessierten übrigens höchst empfehlenswerten – Informationssystem „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung

(1) Große Wichtigkeit: Auch wenn der demografische Wandel andere Orte im Harzkreis noch sehr viel härter treffen wird, ist die erkennbare Veränderung der Altersstruktur von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der „bunten Stadt am Harz“. Während Wernigerode im Jahr 2009 noch über 34.000 Einwohner hatte, rechnen die Experten mit einem Rückgang auf unter 30.000 schon bis zum nicht mehr allzufernen Jahr 2020. Gleichzeitig wird etwa der Altenquotient (die Anzahl von Einwohnern über 64 Jahre, die auf je 100 Einwohner unter 64 Jahre kommen) rapide auf über 60 ansteigen – und schon 2025 werden nur noch knapp 10% der Wernigeröder Einwohner jünger als 18 Jahre sein. Eine ausführlichere Betrachtung der demografischen Entwicklung in Wernigerode und im Harzkreis hatte ich übrigens hier schon einmal für eine unserer Projekt-Webseiten verfasst.

Alterspyramide von Wernigerode im Jahr 2030

Alterspyramide von Wernigerode im Jahr 2030 - die grauen Umrisse zeigen die Alterspyramide des Basisjahrs 2009 (Quelle: "Wegweiser Kommune" der Bertelsmann-Stiftung).

 

(2) Große Resonanz: Erfreulich ist, dass nicht nur die Stadtverwaltung selbst, sondern auch die Kommunalpolitik sowie wichtige Unternehmer das Problem erkannt haben und sich in die Arbeit der neuen AG einbringen wollen. So nahmen neben Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) auch die beiden Fraktionsvorsitzenden Rainer Schulze (SPD) und Dieter Kabelitz (Linke) an der ersten Arbeitsgruppensitzung teil, mit Christian Linde (Geschäftsführer der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft), Kirsten Fichtner (Geschäftsführerin der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode) und Huong Trute (Geschäftsführerin des Orchidea Huong) waren zudem mehrere bekannte Unternehmer vertreten. Auch unsere Hochschule war – neben uns „TECLAnern“ – noch mit weiteren Kolleginnen und Kollegen präsent, darunter auch der Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Apfelbaum vom Halberstädter Campus, die sich im Rahmen des KAT-Projekts komoserv ebenfalls mit dem demografischen Wandel (bzw. dessen Auswirkungen auf die Wohnungswirtschaft) befasst.

DRK-Hausnotrufsystem in der WWG-Musterwohnung

Stationäres Hausnotrufsystem des DRK in der seniorengerechten Musterwohnung der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG e.G.) in der Kopernikusstraße.

 

(3) Thematische Diversifizierung: Für mich erstaunlich war, dass neben den sich durch den demografischen Wandel ergebenden Problemen und den naheliegenden, auch für unsere Arbeit interessanten Themen, wie etwa der Sicherung der medizinischen Versorgung oder den sich verändernden Anforderungen an die Wohnungswirtschaft auch viele andere Themen zur Sprache kamen, die wir teilweise nicht einmal „auf dem Radar“ hatten. Hierzu gehört etwa die Frage, wie ein Stadtkern gestaltet sein muss, um für die Zielgruppe der jungen Frauen zwischen 20 und 35 Jahren besonders attraktiv zu sein – der „Frauen im gebärfähigen Alter“, die aus Sicht der Verwaltung künftig in stärkerem Maße „in die Stadt gelockt“ werden sollten, anstatt beispielsweise von Außerhalb einzupendeln oder ihre Lebensgefährten einpendeln zu lassen. Als weiteres zentrales Problem kristallisierte sich während der Debatte der sich abzeichnende Fachkräftemangel in der für Wernigerode so wichtigen Hotellerie- und Gaststättenbranche heraus.

Wanderungssalden von Wernigerode 2005 - 2009

Die Wanderungssalden der Stadt Wernigerode zwischen den Jahren 2005 und 2009 mit speziellem Fokus auf der "Elterngeneration" der 23- bis 36-jährigen (Quelle: "Wegweiser Kommune" der Bertelsmann-Stiftung).

 

Angesichts dessen ist für meine Kollegen und mich vollkommen klar, dass wir uns auch in Zukunft an den Sitzungen dieser AG beteiligen werden – allein schon die dortige Schilderung von Praxisproblemen aus Sicht von Wohnbaugesellschaften, Pflegediensten, Architekten und Stadtplanern sind für die Ideenfindung und Diskussion innerhalb unseres NEMO-Netzwerkes viel wert, hinzu kommt die Möglichkeit spannender neuer Kontakte sowie eines regelmäßigen fachlichen Austausches mit den für die Demografie zuständigen Verwaltungsmitarbeitern. Vermutlich werden wir zukünftig eher noch in größerer Zahl vertreten sein, da die Debatten auch für die Kollegen im „Schwesterprojekt“ TECLA-WZW von großem Nutzen sein könnten und auch unser Projektleiter Prof. Fischer-Hirchert schon Interesse an einer Mitarbeit angemeldet hat. Und über die Ergebnisse künftiger Sitzungen werde ich dann natürlich gerne hier im Blog berichten…

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

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