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Hochschule Harz, TECLA

Kurzbericht von der zweiten Sitzung der AG „Stadtentwicklung und Demografie“ in Wernigerode

Vor einigen Wochen hatte ich ja bereits von der ersten Sitzung der hier in Wernigerode neu ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe „Stadtentwicklung und Demografie“ berichtet, an der ich mich zusammen mit meinen Kollegen aus dem ZIM-NEMO-Projekt TECLA (für Technische Pflegeassistenzsysteme) beteilige. Während in der Eröffnungssitzung insbesondere Fragen zur weiteren demografischen Entwicklung Wernigerodes im Vordergrund standen, stand die zweite Sitzung am vorvergangenen Dienstag ganz im Zeichen der drei Bereiche Soziales, Bildung und Sport – und damit für unsere Arbeit weniger relevanter Themen. Aus meiner Sicht kamen dennoch mindestens zwei für unser Projekt interessante Aspekte zur Sprache.

(1) Das Interesse der Wernigeröder Seniorinnen und Senioren an organisierten sportlichen Aktivitäten ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Wie der teilnehmende Vertreter des Kreissportbundes Harz berichtete, sucht die Generation der „jungen Alten“ ab dem 60. Lebensjahr gezielt nach seniorenverträglichen Angeboten in den lokalen Sportvereinen und gilt bei diesen als äußerst stabile Teilnehmergruppe. Interessant ist, dass die Nachfrage nicht unbedingt auf seniorenspezifische Angebote abzielt, sondern vielmehr Interesse an „ganz regulärem“ Vereinssport besteht. Dieser Tatsache entnehme ich, dass wir bei der anstehenden Konzeption der angedachten Informationssoftware zu möglichen sportlichen Aktivitäten für den digitalen Hausassistenten auf jeden Fall nicht nur Seniorenangebote berücksichtigen, sondern vielmehr das lokale (Sport-)Vereinswesen möglichst vollständig abbilden sollten.

(2) Noch spannender fand ich die Erkenntnis, dass die Wernigeröder Stadtverwaltung das Konzept der Mehrgenerationenhäuser – das mir seit Jahren auf jedem neuen AAL-Kongress wieder als nach wie vor zukunftsweisend präsentiert wird – im Grunde für gescheitert hält. Diese Einschätzung stützt sich unter anderem auf Erfahrungen, die man mit einem fehlgeschlagenen Mehrgenerationenhaus-Projekt im nahegelegenen Ilsenburg sammeln konnte. Ausschlaggebend für das Scheitern solcher Projekte sollen insbesondere Wechsel in der ursprünglichen Zusammensetzung der Bewohner sein. Während die Personen, die sich zu einer solchen Wohnform zusammenfinden, in der Regel gut miteinander auskommen, ändert sich die Dynamik erfahrungsgemäß meist zum Negativen sobald Bewohner versterben oder umziehen und neue Bewohner in das bestehende Beziehungsgeflecht integriert werden sollen.

Mehrgenerationenhaus in Waffensen/Rotenburg (Wümme)

Mehrgenerationenhaus in Waffensen/Rotenburg (Fotograf: Arnold Plesse, Lizenz: CC-by-sa 3.0/de, Quelle: Wikipedia)

 

Das klingt meinem Erachten nach ebenso plausibel wie der daraus gezogene Schluss, dass Mehrgenerationen-Wohnprojekte immer dann am besten funktionieren, wenn sich die Teilnehmer schon zuvor kannten, die Personenkonstellation möglichst lange stabil bleibt und eventuell entstehende Lücken nicht zeitnah „aufgefüllt“ werden müssen – d.h. im Grunde immer dann, wenn Familien sich zu einem solchen Schritt entscheiden. Nicht-familiär getragenen Projekten rechnet man dagegen deutlich geringere Erfolgschancen zu. Es wäre durchaus von Interesse, einmal nachzuprüfen, ob sich diese Erkenntnis mit den publizierten Erfahrungen aus Mehrgenerationen-Wohnprojekten deckt – da diese Thematik uns im Rahmen des TECLA-Projekts aber kaum betrifft, fehlte mir allerdings bislang die Zeit, den aktuellen Kenntnisstand mal via Google Scholar oder PubMed zu recherchieren. Spannend finde ich aber schon mal die Erkenntnis, dass das Mehrgenerationen-Wohnen in der Praxis nicht als das Erfolgsrezept betrachtet wird, dass es in der Theorie oft zu sein scheint.

Blick auf die Stadt Wernigerode

Blick auf die Stadt Wernigerode vom Schlossberg

 

Als Hobby-Astronom habe ich aus dem Bildungsteil der Debatte außerdem noch diese, leider unschöne Information mitgenommen: Einige der technischen Anlagen, die für den Betrieb im (äußerst empfehlenswerten) Wernigeröder Harzplanetarium dringend erforderlich sind, haben die Altersgrenze von 20 Jahren bereits überschritten. Sollten sie je ausfallen, wären sie wohl kaum noch zu reparieren – und die Summe, die für neue Systeme aufgebracht werden müsste, wäre angesichts der derzeitigen Haushaltslage vermutlich kaum zu stemmen. Im Sinne der vielen Schüler, die jedes Jahr das Planetarium besuchen, will ich also mal hoffen, dass sich die Technik möglichst noch eine ganze Weile hält…

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

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