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Prozessmodellierung

Kostenfreie Prozessmodellierung mit ARIS Express

Während meines Wirtschaftsinformatik-Studiums an der Hochschule Harz hat mich – neben dem Bereich Marktforschung und Statistik – die Prozessmodellierung und -optimierung immer am meisten fasziniert. Ein Glück, dass ich im Rahmen meiner Lehrtätigkeit von 2005 bis 2010 die Gelegenheit dazu bekam, zu beiden Themen Vorlesungen anbieten zu dürfen. Während ich mich in der Vertiefungsrichtung Marktforschung ganz der multivariaten Statistik widmen konnte, war die Prozessanalyse und -optimierung Bestandteil meiner Online-Prozess-Management-(OPM)Vorlesung im Sommersemster 2009. Im Rahmen dieser Veranstaltung haben wir unter anderem das ARIS Toolset eingesetzt, um sogenannte eEPKs – erweiterte ereignisgesteuerte Prozessketten zu modellieren und zu analysieren.

 

Mit Hilfe solcher erweiterter ereignisgesteuerter Prozesketten lassen sich Ablauf und Organisation von Prozessen aller Art visualisieren. Die eEPKs gehen auf die Arbeit von Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer an der Universität des Saarlands zurück und werden seit mehr als zwanzig Jahren im Business Process Modeling eingesetzt. Innerhalb einzelner eEPKs wird in Ereignisse, Funktionen, Konnektoren, Informationen, Organisationseinheiten und Prozesswegweiser unterschieden, die nach bestimmten Regeln (z.B. folgen Aktivitäten immer in Abhängigkeit von eingehenden Ereignissen) anzuwenden sind.

Durch das jahrelange Arbeiten mit ARIS sowohl als Student und Dozent habe ich mich so sehr an diese Form der Prozessdarstellung gewöhnt, dass ich das ARIS Toolset schon häufig vermisst habe, wenn es galt, Prozesse bei HarzOptics oder im Rahmen unseres TECLA-Projekts an der Hochschule Harz zu visualisieren. Vollständig entgangen ist mir bei meinem Ausstieg aus der Lehrtätigkeit im Jahr 2010, dass die IDS Scheer AG Ende 2009 mit ARIS Express ein vollständig kostenfreies ARIS-Modellierungssystem ins Netz gestellt hat. Über dieses bin ich erst neulich im Rahmen einer Recherche für ein anstehendes Projekt zum Thema Wunddokumentation gestolpert – und war absolut begeistert. Die Software läuft auf Windows-Rechnern ebenso wie auf Apple-Systemen und bietet praktisch alle Features, die man auch aus dem ARIS-Toolset kennt. Eine echte Schande, dass ich dieses Highlight so lange übersehen habe…

 

 

Wer selbst schon mal mit irgendeiner Version des ARIS-Toolsets gearbeitet hat, wird kein Problem haben, sich in diesem Ausschnitt aus einem der von mir betrachteten Dokumentationsprozesse aus der ambulanten Pflege (übrigens aus diesem Projekt) zurechtzufinden.

Ausschnitt aus einer beispielhaft mit ARIS Express modellierten eEPK (hier ein Wunddokumentationsprozess).

Ausschnitt aus einer beispielhaft mit ARIS Express modellierten eEPK (hier ein Wunddokumentationsprozess).

 

Wirklich, wirklich gut. Wer sich mit der Darstellung von Prozessen befassen muss, das ARIS-System und seine Regeln kennt und noch nach einer guten Modellierungssoftware sucht, sollte auf jeden Fall mal einen Blick auf ARIS Express riskieren. Die Software kann unter http://www.ariscommunity.com/aris-express nach einer kurzen Registrierung kostenfrei heruntergeladen werden.

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

Diskussionen

11 Gedanken zu “Kostenfreie Prozessmodellierung mit ARIS Express

  1. Zur Vorlesungsqualität im BPR an der HS Harz äußere ich mich jetzt mal nicht.

    Aber ein kostenloses ARIS ist eine feine Sache! Vor allem, weil Prozesse auch in kleinen Unternehmen enorm wichtig sind. Ich sage immer „Alles, wofür es keinen Prozess gibt, wird schlicht nicht gemacht.“

    LG vom Wannsee,

    Sebastian

    Verfasst von Sebastian (naanoo.tv) | 7. Dezember 2012, 17:19
  2. Die Qualität der BPM-Vorlesungen, die ich unterrichtet habe, war selbstverständlich hoch 🙂 (Die Studenten werden das allerdings eventuell etwas anders sehen) Auch ansonsten war ich mit den BPM-Vorlesungen meiner Studienzeit eigentlich immer ganz zufrieden, obwohl die wahre BMP-Begeisterung bei mir auch erst später aufkam, als ich modellierte Prozesse für die Entwicklung meines eigenen Unternehmens nutzen konnte. Es geht halt gerade bei Lernerfahrungen doch nichts über die Praxis…

    Es stimmt schon: Gut modellierte Prozesse können auch in KMU viel zur Steigerung der Arbeitseffizienz beitragen. Wir werden im Rahmen von TECLA demnächst versuchen, den einen oder anderen Pflegedienst für BPM zu begeistern und sind schon gespannt auf die Ergebnisse. Die Existenz einer Kostenlos-Variante von ARIS hilft jedenfalls schon mal ungemein bei der Überzeugungsarbeit, sich überhaupt mit dem Thema zu befassen…

    Grüße aus Wernigerode

    Christian

    Verfasst von Christian Reinboth | 11. Dezember 2012, 12:39
  3. Ich kann nur über Internet-KMUs sprechen, weil ich von anderen Branchen wenig Ahnung habe. Aber mir ist in Diskussionen oft aufgefallen, dass Unternehmen teilweise wichtige Aufgaben vernachlässigen, weil keine Prozesse existieren. Wenn man nicht weiß, wie man eine Sache angehen soll, wird sie eben immer wieder aufgeschoben.

    Ähnlich ist es mit komplexen Abläufen, die man für zu kompliziert hält, um sie zu delegieren. Einmal modelliert, muss man gar nicht mehr viel erklären.

    Ich werde mir das kostenlose ARIS mal über die Feiertage angucken und dann vielleicht mal unsere essentiellen Prozesse (Content -> von der Artikelidee bis zum ROI) modellieren.

    Vorlesung -> das wäre ziemlich witzig, wenn ich irgendwann Deine Vorlesung besuche. Dann haben wir uns gegenseitig vorgelesen 😉

    Verfasst von Sebastian (naanoo.tv) | 11. Dezember 2012, 12:53
  4. Mach das mal, Deine Einschätzung würde mich interessieren. Ich habe jetzt knapp ein Dutzend Prozessketten mit dem Tool modelliert und finde es bislang sehr gelungen. Eine bessere – und dabei kostenfreie – Alternative würde mir jedenfalls nicht einfallen. Spaßigerweise läuft die Mac-Variante bei mir übrigens besser als die Windows-Version, was ich bislang noch von keiner Software kannte…

    Was die Vorlesungen betrifft, so war ich nur von 2005 bis 2010 aktiv und habe den Job danach aus Zeitgründen ruhen lassen (ganz abgesehen davon, dass Einiges mit dem endgültigen Bachelor-Umstieg wegfiel). Von daher besteht wohl keine Gefahr…

    Verfasst von Christian Reinboth | 11. Dezember 2012, 13:45
  5. > Job danach aus Zeitgründen ruhen lassen

    Konsequent! Habe ich auch so gemacht. Irgendwann flacht die Lernkurve da auch ab und dann ist es nur noch „Zeit verkaufen“.

    Verfasst von Sebastian (naanoo.tv) | 11. Dezember 2012, 13:47

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