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Hochschule Harz

Wissenschaftsrat vergibt gute Noten an die Hochschule Harz

Hier in Sachsen-Anhalt tobt bekanntlich bereits seit Monaten eine hitzige Debatte um seitens der Landesregierung geplante Kürzungen an der finanziellen Ausstattung der Hochschulen, die unter anderem zur fristlosen Entlassung der gerade im Hochschulbereich äußerst angesehenen Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft, Prof. Dr. Birgitta Wolff, geführt hat. Obwohl man sich als Absolvent, zeitweiliger Lehrbeauftragter und Teilzeit-Mitarbeiter einer der betroffenen Hochschulen sowie Mit-Gründer eines An-Instituts dieser Diskussion kaum entziehen kann, habe ich bislang – ebenso wie meine Kollegen – auf einen diesbezüglichen Beitrag in unserem Instituts-Blog verzichtet. Da seit gestern jedoch das lange erwartete, durch die Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten des Wissenschaftsrats zu den Entwicklungsperspektiven der sieben Hochschulen öffentlich einsehbar ist, sei es mir vergönnt, die äußerst positive Bewertung unserer „Mutterhochschule“ – der Hochschule Harz (zu finden auf den Seiten 249 bis 262) – kurz zusammenzufassen und zu kommentieren.

Campus der HS Harz

Die hohe Attraktivität des „grünen Campus“ der Hochschule Harz wird im Gutachten des Wissenschaftsrats ausdrücklich hervorgehoben.

 

Regionale Verwurzelung: Als „prägendes Kennzeichen“ der Hochschule Harz identifiziert der Wissenschaftsrat ihre starke regionale Verwurzelung, die sich unter anderem in zahlreichen Kooperationen mit Unternehmen der heimischen Wirtschaft ausdrücke. Eine Vielzahl an Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Harz habe in den Unternehmen der Region Arbeit gefunden, womit deren Know-How und Arbeitskraft der Region und dem Land erhalten blieben – ein Aspekt, der insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt keinesfalls zu vernachlässigen ist. Die hohe Akzeptanz der Hochschule Harz in der regionalen und überregionalen Wirtschaft sieht der Wissenschaftsrat auch durch die Finanzierung dreier Stiftungsprofessuren sowie durch die maximale Ausschöpfung der Förderquote für Deutschlandstipendien belegt. Da wir bei HarzOptics selbst ein solches Stipendium finanzieren, freut uns diese Feststellung natürlich in besonderem Maße.

Größe und fachlicher Zuschnitt: Der Wissenschaftsrat stuft alle drei Fachbereiche der Hochschule als erhaltenswert ein: So trage etwa der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften mit den Studienrichtungen Wirtschaftspsychologie und Tourismuswirtschaft wesentlich zur Profilbildung der Hochschule Harz bei, während die Studienangebote des Fachbereichs Verwaltungswissenschaften als über die Landesgrenzen hinaus wirkendes Alleinstellungsmerkmal der Hochschule zu betrachten seien. Der Fachbereich Automatisierung und Informatik bediene dagegen in besonderem Maße die Nachfrage der regionalen Wirtschaft nach qualifizierten MINT-Absolventen. Der Wissenschaftsrat stuft daher sowohl die Größe als auch den fachlichen Zuschnitt der Hochschule Harz als angemessen ein.

Hochschulleitung und Qualitätsmanagement: Der Hochschulleitung um Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann werden hohe Kompetenzen und gute Amtsführung bescheinigt. Auch das Qualitätssicherungssystem der Hochschule wird als „durchdacht und wirksam“ gelobt, wobei der Wissenschaftsrat empfiehlt, das Qualitätsmanagement um eine zentrale Lehrevaluation zu ergänzen. Darüber hinaus sei auch die Berufungspolitik erfolgreich, wobei insbesondere die Finanzierung dreier Stiftungsprofessuren durch die freie Wirtschaft hervorgehoben wird. Lediglich beim Prozedere der Berufung von Vertretungsprofessuren sieht der Wissenschaftsrat noch formale Verbesserungsmöglichkeiten.

Forschungsleistung der Hochschule: Das Drittmittelvolumen wird im Hinblick auf die Größe der Hochschule vom Wissenschaftsrat als „beachtlich“ eingestuft. Insbesondere die Finanzierung des sogenannten KAT – des Kompetenznetzwerks für anwendungsorientierten Technologietransfer aller Hochschulen in Sachsen-Anhalt – hat hierzu viel beigetragen, da pro verausgabtem Euro an Landesmitteln zwei bis drei Euro an zusätzlichen Drittmitteln von Industriepartnern, Bund und EU eingeworben werden konnten. Als forschungsstärkster Fachbereich wird der Fachbereich Automatisierung und Informatik benannt, der allein etwa die Hälfte aller Drittmittel einwirbt. Als erfolgreichste Forschungsschwerpunkte des Fachbereichs werden wiederum die IT-Sicherheit und die optischen Technologien hervorgehoben, was uns bei HarzOptics vor dem Hintergrund unserer eigenen fachlichen Ausrichtung natürlich besonders freut. Das Anreizsystem für die Forschung, welches primär auf eingeworbenen Drittmitteln und Publikationen basiert, wird als erfolgreich eingeschätzt und hat dem Wissenschaftsrat zufolge zur „Herausbildung starker Forschungsschwerpunkte“ geführt.

Kooperative Promotionen: Die hohe Zahl kooperativer Promotionen an der Hochschule Harz (wie etwa der meines geschätzten Kollegen Matthias Haupt) wird lobend hervorgehoben, wobei allerdings bemängelt wird, dass die Promotionen primär mit der TU Braunschweig und der TU Ilmenau und nicht mit den beiden Universitäten unseres Bundeslandes in Magdeburg und Halle durchgeführt werden.

Lern-Infrastruktur und Ausstattung: Der Zustand von Gebäuden und Einrichtungen wie Bibliothek und Sprachlaboren, die technische Ausstattung sowie der Campus werden durch den Wissenschaftsrat als gut bis sehr gut bewertet. Das Land wird explizit dazu aufgefordert, zukünftig ausreichend Finanzmittel bereitzustellen, um diese Infrastruktur auf dem bestehenden hohen Niveau zu erhalten.

 

Natürlich erbrachte die Begutachtung des Wissenschaftsrats neben viel Lob auch Hinweise auf sinnvolle Verbesserungen. So wurden etwa die noch zu niedrige Auslastung der MINT-Studiengänge und die in diesen Fächern vergleichsweise hohe Abbrecherquote sowie der geringe Frauenanteil bemängelt – Beobachtungen, die man in dieser Form leider auf viele andere Hochschulen übertragen kann und deren Ursachen letztendlich eher in gesellschaftlichen Umständen als im konkreten Angebot einer bestimmten Hochschule liegen dürften. Die Hochschule Harz bemüht sich hier unter anderem durch ein breit aufgestelltes Angebot an Einstiegs- und Auffrischungskursen im Bereich Mathematik, die teils bereits vor Studienbeginn einsetzen, erkennbar um Verbesserungen, was durch den Wissenschaftsrat auch ausdrücklich hervorgehoben wird. Als „größten Mangel“ der Hochschule Harz stuft der Wissenschaftsrat die noch gering entwickelte Kooperation zwischen den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften sowie Automatisierung und Informatik am Wernigeröder Campus und dem Fachbereich Verwaltungswissenschaften am Halberstädter Campus ein. Persönlich kann ich hierzu nur feststellen, dass ich die Kooperation zwischen den Wernigeröder „AI-lern“ und den Halberstädter Verwaltungswissenschaftlern im Rahmen des TECLA-Projekts stets als gut empfunden habe – sicher könnten (und werden) weitere derartige fachbereichsübergreifende Forschungsprojekte zukünftig zu einer weiteren Verstärkung und Verstetigung des Austausches zwischen den Fachbereichen beitragen.

Mit Spannung gelesen habe ich natürlich insbesondere die Anmerkungen des Wissenschaftsrats zur Aufstellung der An-Institute. Der Rat empfiehlt, die existierenden An-Institute regelmäßig zu evaluieren und die Hochschule zudem in angemessenem Umfang an deren Umsätzen zu beteiligen – eine in meinen Augen durchaus sinnvolle Forderung, die wir bei HarzOptics bereits freiwillig und gerne seit dem Jahr 2007 umsetzen. Seit der Gründung unserer GmbH wurde so bereits eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich an die Hochschule abgeführt, darüber hinaus finanzieren wir seit vergangenem Jahr zusätzlich ein Deutschlandstipendium am Fachbereich Automatisierung und Informatik. In seinem Gutachten betont der Wissenschaftsrat außerdem die wichtige Rolle der An-Institute bei der Realisierung wirtschaftsnaher Weiterbildungsangebote – ein Bereich, der zugegebenermaßen bislang kein Schwerpunkt unserer Arbeit bei HarzOptics ist. Mit dem zum Wintersemester 2013 am 01. September diesen Jahres startenden, staatlich zugelassenen Fernlehrgang „Technische Optik“, werden wir demnächst allerdings auch in diesem Bereich aktiv werden.

Lehrbriefe des Fernlehrgangs "Technische Optik"

Die gedruckte Endfassung der Lehrbriefe des Fernlehrgangs „Technische Optik“.

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Gutachten des Wissenschaftsrats keine Grundlage für größere Budgetkürzungen an der Hochschule Harz liefert – tatsächlich wird das Land ja in einigen Passagen ausdrücklich dazu aufgefordert, ausreichende bzw. zusätzliche Geldmittel z.B. für die weitere Profilierung oder die bessere Verzahnung der Fachbereiche zur Verfügung zu stellen. Und auch wenn der übergeordnete, auf alle sieben Hochschulen unseres Landes bezogene Teil des Gutachtens ausdrücklich darauf hinweist, dass der Hochschulbereich aus der Konsolidierung des Landeshaushalts richtigerweise nicht vollständig ausgeklammert werden kann, stellt der Wissenschaftsrat dennoch deutlich klar, dass die angedachten, geradezu „überfallartigen“ Budgetkürzungen nach der angedrohten „Rasenmähermethode“ der Situation nicht angemessen wären. Vielmehr sei gerade während der nun anstehenden Phase struktureller Reformen darauf zu achten, dass die Landeszuweisungen nicht verringert würden:

„Nur wenn das derzeitige Finanzierungsniveau während einer fünfjährigen Umbauphase aufrechterhalten wird, können die Hochschulen neben dem laufenden Lehr- und Forschungsbetrieb die nötigen Maßnahmen mit strategischem Bedacht umsetzen und auf dieser Grundlage zu langfristig wirksamen Effizienzsteigerungen und einer nachhaltigen Qualitätsverbesserung gelangen.“

Ich hoffe sehr, dass die Landespolitik diesen Ratschlag bei den anstehenden Budgetplanungen angemessen berücksichtigen wird. Es wäre äußerst schade – und ganz sicher nicht im Interesse unseres Landes und seiner Bevölkerung – wenn die überstürzte Umsetzung kurzfristiger Sparziele zur Beschädigung offensichtlich gut funktionierender Hochschulstrukturen führen würde.

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

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